Praxisbeispiele

Strategische Portfoliobereinigung

Sennheiser, Wedemark

Die harten Corona-Maßnahmen der Politik bleiben nicht ohne Folgen im Mittelstand. Auch Sennheiser aus Wedemark nördlich von Hannover hat es getroffen. Die Consumer-Sparte wird verkauft.

Sennheiser seit 1945

Sennheiser, bei Endkunden bekannt für qualitativ hochwertige Kopfhörer, wurde 1945 gegründet. Das Unternehmen aus Wedemark nördlich von Hannover verfügt über vier Produktionsstätten. Knapp 2.500 Mitarbeiter/innen arbeiten in den zwei Sparten "Consumer Electronics" (Kopfhörer) und "Professional Electronics", zu der die Bürokommunikation (z. B. Video-/Konferenztechnik), Studioausstattung und Live-Musik-Ausstattung gehören.

Sennheiser erwirtschaftete 2019 noch einen Umsatz von rund 750 Mio. Euro. Durch die vielen Lockdowns in den Corona-Jahren haben alle Geschäftsbereiche wirtschaftlich gelitten. Der Gesamtumsatz ist 2020 auf 574 Mio. Euro gesunken. Die Consumer-Sparte (242 Mio. Euro Umsatz) verzeichnete einen Rückgang um 8 %, der Profi-Bereich (308 Mio. Euro Umsatz) von 15 %.

Aus Sicht des Managements bestand daher die Notwendigkeit für eine strategische Neuausrichtung des Geschäftsportfolios. Man hat sich neben dem Abbau von 650 Stellen 2020 dazu entschieden, sich zukünftig auf die Profi-Sparte zu konzentrieren und den Consumer-Bereich an den Schweizer Hörakustik-Hersteller Sonova zu verkaufen, wenn die Kartellbehörden zustimmen. Der Kaufpreis soll bei rund 200 Mio. Euro liegen. Die Marke "Sennheiser" bleibt erhalten. Die Schweizer zahlen dafür eine Lizenzgebühr.

Portfoliobereinigung

Die regelmäßige Überprüfung des Geschäftsportfolios gehört zu den strategischen Aufgaben des Managements auch von mittelständischen Unternehmen. Internationale Unternehmensberatungen wie Boston Consulting und McKinsey haben dafür schon vor Jahrzehnten eigene Portfoliotechniken entwickelt, die noch immer in der Managementliteratur angepriesen werden. Anhand von verdichteten Bewertungskriterien, meist in einer 2x2- oder 3x3-Felder-Matrix aufgespannt, sollen die Entscheidungen erleichtert werden, welche strategischen Geschäftsfelder ausgebaut, gemolken oder verkauft werden sollen. 

Portfoliobereinigungen, wie sie Sennheiser nun vorgenommen hat, resultieren aus wirtschaftlichem Restrukturierungsdruck (Corona-Lockdowns und starke Wettbewerber wie Apple, JBL, Sony und Bose) und/oder strategischem Weitblick. Vor allem mittelständische Unternehmen ohne Zugang zu Kapitalmärkten haben nur begrenzte wirtschaftliche und zeitliche Ressourcen. Harte Schnitte und die Fokussierung auf vermeintliche Stärken und Zukunftsfelder sind dann nötig. Durch den Verkauf im Rahmen einer Schrumpfungsstrategie wird auch frische Liquidität in das Unternehmen gespült, die für eine Restrukturierung oder neue strategische Investitionen genutzt werden kann. Ein Verkauf von Geschäftsbereichen kann aber auch klug sein, wenn auf dem Gipfel des Markterfolgs Höchstpreise erzielt werden können.

Website: https://de-de.sennheiser.com 

Copyright Text: www.best-practice-forum.de 

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