07.02.2018

Der Sinn der Rhetorik

Einst hat sich die Rhetorik als reines Kommunikationsmittel entwickelt und diente dem Urmenschen als Übersetzerin von Ereignissen und Gefahren.

Der griechische Philosoph Platon (428 – 348 v. Chr.), sah die Rhetorik als Blendwerk und dämonenhafte Schmeichlerin, die den Zuhörer zu allem überreden kann, aber die Wahrheit dabei außer Acht lässt. Der eher pragmatische Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), sah die Rhetorik, wenn man sie im Guten benutzt, als durchaus sinnvoll und erkenntnisbringend an.

Das Bemühen um die Wahrheit nannte man Dialektik, die in der damaligen Zeit als ein Analyseverfahren zur Wahrheitsfindung diente. 

Platons berühmte Dialoge (Gorgias, Phaidros, Sophistes etc.) basieren auf einer „Frage-Antwort-Technik“, die Platon seinen fiktiven, dennoch historisch belegten Persönlichkeiten, in den „Mund“ legte. Aristoteles dagegen, analysierte eher die Redetechnik und ihre dahinterstehende Psychologie, die sich von Redner auf den Zuhörer transferiert. 

Der moderne Mensch von heute, unterliegt fast zu jeder Tages-und Nachtzeit den unterschiedlichsten Auswüchsen der Rhetorik. 

Werbung, Presse, im Alltag, beim Lesen oder beim Medienkonsum werden wir stets mit Informationen berieselt. Vielfach unreflektiert und polemisch besetzt. Da wir Menschen stets einem Handlungszwang unterliegen, schafft die Rhetorik Fakten, wo eigentlich noch keine endgültige belegte Wahrheit zugrunde liegt. 

Hans Blumberg, (Philosoph, 1920-1966) sagte einst: „Rhetorik schafft Institutionen, wo Evidenzen fehlen!“

Was so viel heißt, dass man sich häufig im Alltag entscheiden muss, auch wenn man nicht genau weiß, ob das jetzt der richtige Weg ist. 

Gerade in den Führungsetagen, wenn es um Geld, Investitionen, Expansion oder Mitarbeiterführung geht, wandelt man als Führungsverantwortlicher auf schmalen Grad, zwischen Verantwortung gegenüber des Betriebes, dem Gewinnstreben und der Menschlichkeit. Denn meist schließt sich das Eine gegen das Andere aus, wenn man die Gewinnmaximierung über alle Dinge stellt. Das sich vielfach daraus ein Endzeitszenario spinnen kann, haben die jüngsten Ereignisse in der Wirtschaft gezeigt. Das Maß der Dinge zu kennen, ist die Zauberformel der Nachhaltigkeit.

Die Politik mit ihrem ewigen diplomatischen Tanz der Rhetorik, der nie endet, lebt geradezu das Konjunktiv vor. „Hätte, würde, könnte,“…, immer schön indifferent bleiben und keine Stellung beziehen, ist, auf lange Sicht gesehen, tödlich für jede Gesellschaft.

Zum Teil hat sich diese schwammige Rhetorik auch in den Führungsetagen der Konzerne breitgemacht. Zu einer Aussage zu stehen und zu führen, kostete Kraft, Nerven, verlangt Kompromissbereitschaft und einen guten Charakter bzw. eine starke Persönlichkeit. Die Gefahr in den persönlichen Narzissmus abzugleiten ist allgegenwärtig. 

Das Streben nach dem Maximalgewinn, aber mit niedrigsten Einsatz, hat uns in eine prekäre Lage gebracht. Auf Kosten der Menschlichkeit stehen die Menschen in allen Schichten unter enormen Druck. Burn-out, Depressionen sind auf dem Vormarsch. 

Viele Menschen wünschen sich wieder eine Rhetorik, die führt und eine sichere Struktur bietet, die Fakten schafft. So kann man sich nur wünschen, dass gerade die Führungsetagen der Unternehmen, sich wieder auf Werte wie, Verlässlichkeit, Verantwortung und Nachhaltigkeit berufen und das Fehler zum menschlichen Dasein dazugehören und auch dürfen.

ROA - Reden ohne Angst

Astrid Kronsbein
Windmühlenweg 15
49328 Melle

Fon: 05226 5942997

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