Ostwestfalen-Talk | Regionale Expert/innen im Gespräch

16.08.2019

Elektromobilität auf dem Vormarsch

Stefanie Balzarek, Archimedes Technik GmbH

Stefanie Balzarek (M. Eng.), Projektleiterin Elektromobilität der Archimedes Technik GmbH in Herford, im Gespräch mit mittelstand-ostwestfalen.de

Frau Balzarek, die Begeisterung für Elektromobilität ist bei vielen Menschen noch nicht sonderlich ausgeprägt.  Wie stellen sich die aktuellen Entwicklungen bei Fahrzeugen und Lademöglichkeiten dar?

In der Beratung stellen wir immer wieder fest, dass die Meinung der Menschen zum Thema Elektromobilität oft auf nicht vorhandenes Wissen zurückzuführen ist. D.h. bevor wir ein Konzept für den nachhaltigen Aufbau von Ladeinfrastruktur ausarbeiten, leisten wir im ersten Schritt oft Aufklärungsarbeit und sprechen über Reichweiten der verfügbaren Fahrzeuge, über die Haltbarkeit der Batterien und die verschiedenen Möglichkeiten, die Fahrzeuge wieder aufzuladen. Aktuell liegen die realistischen Reichweiten der Fahrzeuge bei 250 – 350 km, Tendenz steigend. Mittlerweile verfügen viele Fahrzeuge über eine Schnellladefunktion, d.h. 50 kW DC und mehr, so dass in Zukunft auch ein kurzes Zwischenladen möglich ist. Dafür bedarf es aber auch einer flächendeckenden Infrastruktur im hohen Leistungsbereich. Diese ist aktuell noch nicht ausreichend gegeben, so dass weite Strecken immer noch mit Planung und Zeitaufwand verbunden sind.

Schaut man sich die Mobilitätsdienstleistung in den Unternehmen genauer an, stellt man schnell fest, dass überwiegend nur kurze Strecken gefahren werden. 70 % aller Dienstfahrten liegen unter 100 km und sind auch mit den aktuell verfügbaren elektrischen Modellen problemlos zu meistern. Werden jetzt noch die Standzeiten der Fahrzeuge berücksichtigt, dann wird klar, dass zum Aufladen der Fahrzeuge oft gar keine hohen elektrischen Leistungen benötigt werden, sondern im Rahmen der langen Standzeiten wieder geladen werden kann. Klar ist, dass aktuell am Markt noch nicht für jede Mobilitätsdienstleistung ein Fahrzeug existiert. Aber in unseren Projekten sehen wir regelmäßig, dass in fast jedem Unternehmen Mobilitätsbereiche existieren, die sich heute schon für eine Elektrifizierung eigenen und das Ganze sogar oft wirtschaftlich darstellbar ist. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Die Begeisterung für Elektromobilität wird bei Unternehmen durch eigene Erfahrungen geweckt.

Elektromobilität bietet bei der derzeitigen Stromerzeugungsstruktur und dem hohen energetischen Aufwand für die Batterieproduktion wenig Klimaschutzpotenzial gegenüber modernen Verbrennungsmotoren. Wie sieht ein nachhaltiger Lösungsansatz für Unternehmen bei der Einführung von Elektrofahrzeugen aus?

Die CO2-Bilanz ist stark verknüpft mit der Batteriekapazität des Fahrzeugs und mit der Herkunft des Stroms, welcher zum Laden für das Fahrzeug verwendet wird. Das Schöne an der Elektromobilität ist, dass Unternehmen durchaus die Nachhaltigkeit ihrer Mobilität selbst in der Hand haben. Unternehmen können zwei Faktoren beeinflussen. Einerseits kann das Fahrzeug bzw. dessen Batteriegröße nach dem tatsächlichen Bedarf ausgewählt werden. Andererseits obliegt es dem Unternehmen, ob es regenerativen Strom einkauft oder gar auf dem Unternehmensgelände selbst erzeugt, z.B. durch Photovoltaikanlagen. Beide Faktoren nehmen einen deutlichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der betrieblichen Mobilität und somit auch auf das vorhandene Klimaschutzpotenzial.

Sie haben die Ladeinfrastruktur als wesentlichen Faktor zur Steigerung der Elektromobilität angesprochen. Was haben Unternehmen zu beachten, wenn sie für die eigene Fahrzeugflotte aber auch für Mitarbeiter oder Kunden Lademöglichkeiten anbieten wollen?

Wir empfehlen, dass sich das Unternehmen zum einen mit der eigenen sowie der Mitarbeitermobilität auseinandersetzt und zum anderen mit den Energieversorgungsstrukturen des Unternehmens. Zudem müssen rechtliche Rahmenbedingungen im Auge behalten werden. Als kurzes Stichwort sind hier das Thema Eichrechtskonformität und Weiterleitung an Dritte zu nennen. Anhand dieser Parameter gilt es eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur aufzubauen, um langfristig die Investitionskosten in Grenzen zu halten. Die verfügbaren Fördermittel unterstützen definitiv den Aufbau von Ladeinfrastruktur. Dennoch kostet das zur Verfügungstellen von elektrischer Leistung Geld, sogar mehr Geld als die Energiemenge, die später über den Ladepunkt in das Fahrzeug fließt.

Aber nicht nur durch den bedarfsgerechten Aufbau von Ladeinfrastruktur lassen sich am langen Ende Kosten sparen, sondern vor allem durch das intelligente Verteilen der benötigten Energiemengen. So kann die Investition einer möglichen Netzverstärkung, die Kosten für einen hohen Leistungspreis und ein erneut zu bezahlender Baukostenzuschuss vermindert oder sogar vermieden werden. Die Lösung aus unserem Hause dafür ist ein kombiniertes aktives Last- und Lademanagement, kurz: koala².

Was unterscheidet Ihre Ladelösungen von anderen?

Koala² agiert dynamisch aus dem Gebäude heraus. Das System bezieht sich nicht nur auf den vorhandenen Ladepark, sondern bildet die vollständigen Energieversorgungsstrukturen des Unternehmens ab. Durch direkte Messungen kann die Energie bedarfsgerecht verteilt werden und es werden zu keinem Zeitpunkt freie Kapazitäten verschenkt. Koala² verteilt die Ladeenergie für die Elektrofahrzeuge unter der Berücksichtigung der vorhandenen Eigenstromerzeugung und den betriebsinternen Energieprozessen. Ungewollte Lastspitzen werden vermieden. Das spart Geld und vermeidet das Risiko von Stromausfällen.

Wir bedanken uns für das Gespräch Frau Balzarek!

Am 23.5.2019 waren mit unserem Netzwerk mittelstand-ostwestfalen.de zu Gast bei Archimedes. Hier einige Foto-Impressionen.

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