Wenn Containerpreise steigen

Lieferketten

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Die Corona-Krise hat auch gezeigt, wie abhängig wir von Importen aus China sind. Es sind nicht nur Schutzmasken und Medikamente, die plötzlich in Deutschland fehlen. Auch viele andere Güter wie Computer, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte kommen mittlerweile aus China. Der Importwert aus dem Land der Mitte betrug 2019 rund 110 Mrd. Euro. Seit Ausbruch der Krise läuft es aber nicht mehr rund. Wichtige Lieferketten sind gestört oder unterbrochen. Die Frachtpreise steigen.

Lieferprobleme

Mittlerweile hat sich die Produktion in China wieder einigermaßen normalisiert. Probleme bereitet aber immer noch der Transport der Waren. Viele Händler bekommen keinen Nachschub mehr, da Seecontainer fehlen oder zu teuer geworden sind. Seit über 60 Jahren sind Container die zentrale Verpackung der globalen Wirtschaft. Erfunden wurden sie 1956 von Malcolm McLean. Er hat damit erst die Globalisierung ermöglicht. Davor mussten Säcke und Fässer von Hafenarbeitern mühselig auf die Schiffe getragen und wieder entladen werden. Der Standard-Container hat ein Ausmaß von 6 x 2,44 Metern und ist gut stapelbar.

Mit der Corona-Pandemie ist die eingespielte Ordnung im Welthandel aus den Fugen geraten. In China fehlen plötzlich viele Container, da sie in Häfen in Europa oder Amerika stehen. Es gibt keine Retourschiffe mehr und leere Container zu verschiffen, ist zu teuer. Durch die so erzeugte Knappheit sind die Containerpreise stark gestiegen, von durchschnittlich 2.000 Dollar auf bis zu 6.000 Dollar. Das bringt die Kalkulation der Auftraggeber durcheinander.

In einer Studie von Euler Hermes klagten daher auch 94 Prozent von 1.200 befragten Unternehmen über starke Lieferunterbrechungen in 2020. Alternative Transportmittel wie Flugzeuge oder Züge sind bis heute kaum verfügbar. 47 Prozent der Befragten planen daher kurzfristige Verlagerungen der Produktion und Beschaffungswege (6 - 12 Monate), 50 Prozent eine langfristige (12 - 24 Monate).

Ausweichstrategien

Die Abhängigkeit von China ist vielen Politikern ein Dorn im Auge. Aus Kreisen des mächtigen World Economic Forums wird daher schon seit einiger Zeit eine Renationalisierung des Handels prognostiziert, genauer gesagt ein Rückzug auf die drei großen Kernregionen Asien, Amerika und Europa. Durch die Entkoppelung der Märkte gäbe es keinen Welthandel wie bisher mehr. Mittelständler wie Wilo, Weltmarktführer für Pumpen aus Dortmund, stellen sich schon darauf ein. Neben der deutschen Zentrale gibt es bereits eine autarke in China und bald auch eine in den USA.

Viele behelfen sich in der Zwischenzeit damit, dass sie nach Möglichkeit ihre Läger durch Hamsterkäufe auffüllen und nach anderen Lieferanten Ausschau halten. Generell gerät die teurere Lagerhaltung als Puffer wieder mehr ins Blickfeld. Die Just-in-Time-Praxis scheint an ihre Grenzen zu kommen. Auch der Einsatz anderer Materialien und ein stärkeres Recycling im Rahmen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft werden als neue Wege gesehen.

Wohlstandsverluste

Ökonomen und Verbände warnen jedoch davor, dass ein Ende des globalen Welthandels mit erheblichen Wohlstandsverlusten verbunden ist. Die Preise werden durch eine suboptimalere Arbeitsteilung zwangsläufig anziehen. Rückwärts betrachtet hierzu ein Vergleich: Beschäftigte müssen in Deutschland heute im Durchschnitt nur noch 19,5 Stunden für einen hochwertigen Smart-TV arbeiten. In den 1960iger Jahren betrug die notwendige Arbeitszeit für einen alten Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher der Marken Telefunken, Grundig oder Nordmenge dagegen noch zwei Monate. Um diesen Wohlstandsverlust zu vermeiden, müssten die Regierungen massiv subventionieren, wiederum zu Lasten der Steuerzahler.

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06.12.2021

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