Fakten und Entwicklungen im Überblick

Wirtschaft in der Corona-Krise

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Corona hat die Weltwirtschaft schwer erschüttert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2020 weltweit gesunken, in den USA zwischenzeitlich sogar um 30 Prozent. Deutschland kommt mit -5 Prozent noch relativ gut durch die Krise. Nur China scheint schon wieder auf dem Wachstumspfad zu sein. Die Regierungen halten mit riesigen Konjunktur- und Hilfsprogrammen dagegen. Dadurch steigen die Verschuldung und Geldmengenausweitung im Gleichschritt. Hier nun die aktuellen wirtschaftlichen Fakten und Entwicklungen im Überblick.

  • Verschuldung: Die Corona-Rettungspakete haben die deutsche Staatsverschuldung Ende 2020 auf 2,3 Billionen Euro ansteigen lassen. In absoluten Zahlen gesehen liegt Deutschland damit an dritter Stelle in der EU, nach Frankreich mit 2,6 Billionen Euro und Italien 2,5 mit Billionen Euro. Spanien folgt mit 1,3 Billionen Euro an vierter Stelle. Die Schuldenquote, die den Schuldenstand in Relation zur Wirtschaftskraft (BIP) setzt, ist in Deutschland mit knapp 70 Prozent am niedrigsten, aber erstmals über der Verschuldungsgrenze von 60 Prozent. Spanien mit 110 Prozent, Frankreich mit 114 Prozent und Italien mit 149 Prozent liegen deutlich darüber. 
  • Fiskalunion: Mit dem im Mai 2020 verabschiedeten EU-Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd. Euro wäre die EU erstmals befugt, eigene Schulden aufzunehmen, wenn die nationalen Parlamente das billigen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat den Prozess zur Überraschung erst einmal gestoppt. 390 Mrd. Euro davon würden dann als Zuschüsse, 310 Mrd. Euro als Kredite fließen. Alle EU-Länder haften dann dafür in Höhe ihres Anteils am EU-Haushalt. Das deutsche Risiko beträgt nun 202,5 Mrd. Euro (27 Prozent Anteil). Der Weg in die Fiskalunion ist damit geebnet. 
  • Zinstief: Die internationale Verschuldungsspirale wurde in den letzten Jahren seit der Finanzkrise 2008 vor allem durch die niedrigen Zinssätze angetrieben. Seit 2010 sind in Europa die EZB-Refinanzierungssätze von 1,5 % auf 0 % gesunken. In den USA ist es ähnlich. Durch die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken im Rahmen der in Japan schon seit zwei Jahrzehnten praktizierten lockeren Geldpolitik (Quantitative Easing) sind an den Finanzmärkten auch die Zinssätze auf historischen Tiefständen. Seit Anfang 2021 gibt es allerdings eine leichte Trendwende. So liegen die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen bereits bei rund 1,5 Prozent. 
  • Geldmenge: Die Staatsfinanzierung übernehmen seit vielen Jahren die Zentralbanken. Sie kaufen zuvor emittierte Staatsanleihen und weiten dadurch die Geldmenge aus. Allein die Bilanzsumme der EZB stieg von 1,878 Mrd. Euro (2010) auf 7.055 Mrd. Euro (Februar 2021). Und es geht weiter. Die geplante Geldmengenausweitung 2020-2021 beträgt allein in der EU rund 3,2 Billionen Euro. So ist in der Eurozone die Geldmenge M3 2020 auf über 14 Billionen Euro gestiegen, gegenüber 12 Billionen Euro 2019. 

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  • Inflation: Die steigende Geldmenge und der Corona-bedingte Angebotsrückgang könnte in der Zeit nach den Lockdowns zu einer starken Inflation führen, wenn dann auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt. 2021 könnte die offizielle Inflationsrate in Deutschland schon 4 Prozent betragen. Die Preise für Aktien und Immobilien sind bereits stark gestiegen. Manche befürchten schon zu stark. Wenn die Geldentwertung zunimmt, freuen sich die Staaten und andere Kreditschuldner, da die Schulden „weginflationiert“ werden. 
  • Wachstum: Der andere klassische Weg der Entschuldung erfordert ein Wirtschaftswachstum mit höherem Steueraufkommen, das dann für Tilgungen verwendet wird. Aber das reale Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich zwischen 2010 und 2019 mit durchschnittlich 1,9 Prozent nur moderat entwickelt. Der überall erzählte zehnjährige Aufschwung hat nicht wirklich stattgefunden. Deutschland kommt nicht recht vom Fleck, ist auch nach Meinung unserer Politiker vor allem im Vergleich zu Asien zu träge. Gerettet hat uns der durch den schwachen Euro begünstigte Export und der Boom in China.
  • Investitionen: Wachstum ist nur durch Investitionen möglich. Menschen werden dann durch Maschinen ersetzt und können woanders zusätzliche Werte schaffen. Während die Nettoinvestitionsquote 1992 noch 9,2 Prozent betrug, liegt sie seit einiger Zeit nur noch unter 2 Prozent. Auch der Staat investiert bisher zu wenig. Deutschland lebt von seiner Substanz. Der Investitionsstau bei Straßen, Brücken, Schulen und digitaler Infrastruktur ist augenfällig. Das Geld fließt zu stark in den Konsum und in das ausufernde Sozialsystem. Durch die zu geringen Investitionen ist in Deutschland auch die Arbeitsproduktivität rückläufig.
  • Machtkampf: Zwischen den USA und China ist inzwischen ein harter Kampf um die Weltmacht entbrannt. China ist in den letzten 30 Jahren enorm gewachsen und mittlerweile mit 3 Billionen Dollar (inkl. Hongkong) Exportweltmeister. Die Neue Seidenstraße schafft ein für die USA gefährliches integriertes Eurasien. Die USA werden die Handelsbeschränkungen daher vermutlich nicht lockern und auch weiterhin versuchen, Fabriken aus China wieder in die USA zu verlagern. Was bei Donald Trump „America First“ hieß, heißt bei Joe Biden nun „Buy American“. Das Reich der Mitte ist auch ökonomisch angreifbar. Es hat ein gigantisches Verschuldungsproblem. Die gewaltigen Infrastrukturprojekte sind kreditfinanziert. Bei einem Zinsanstieg könnte die China-Blase platzen. 

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