Hochbetrieb in der Corona-Krise

Restrukturierung

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Der Markt ist in der Corona-Krise gespalten wie nie zuvor. Amazon, Konzerne und Digitalunternehmen melden Rekordergebnisse. Dagegen sind bisher rund 20 Prozent der deutschen Unternehmen in die Krise gerutscht. Dazu gehören Einzelhändler, Restaurants, Hotels, Kulturbetriebe und die Event-Branche. Doch seit März sind auf einmal Rohstoffe, Materialien und Vorprodukte knapp und teuer. Plötzlich stehen auch Handwerker, Bauunternehmen und Industriebetriebe vor Problemen. Manche müssen trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden. Hinzu kommen die vielen Automobilzulieferer, denen die Elektromobilität zu schaffen macht. Die Notwendigkeit für präventive Restrukturierungen und harte Sanierungen nehmen daher zu.

Krisenphasen

Eine Unternehmenskrise beginnt meist als strategische Krise, wenn Ziele nicht mehr erreicht werden, Marktanteile zurückgehen und keine Innovationen mehr entwickelt werden. Das Kerngeschäft wird gemolken, ohne dass etwas investiert wird und neue Geschäftsmodelle entstehen. Diese Phase kann in einer operativen Erfolgskrise mit strukturellen Verlusten münden. Die Handlungsfähigkeit nimmt mehr und mehr ab. Am Ende steht eine Liquiditätskrise, in der Kredite nicht mehr bedient und Lieferanten nicht mehr bezahlt werden können. Corona hat diese Prozesse beschleunigt und auch viele größere Mittelständler, die bisher durch das Raster der öffentlichen Förderung gefallen sind, in existenzielle Nöte getrieben.

Maßnahmen

Wenn Unternehmen in die Krise rutschen und wenig Kapitalreserven haben, geht es direkt ans Eingemachte. So musste etwa die durch die Corona-Lockdowns in Bedrängnis geratene Hotelkette Maritim einige ihrer wertvollen Standorte verkaufen. Harte Kostenschnitte und schnell wirkende Liquiditätsspritzen sind dann notwendig. Ist die Restrukturierung präventiv, dann ist der Zeitdruck nicht ganz so groß. Es kommen dann alle Strukturen, Prozesse und Komplexitätskosten auf den Prüfstand.

  • Organisationsstruktur: Der Trend geht heute hin zu kleinen, schlanken, agilen dezentralen Einheiten, die das Ohr ganz nah am Markt haben. Im digitalen Zeitalter sind kreative Schnellboote angesagt. Großunternehmen sind zu bürokratisch. Digitale Kommunikationstools wie Videokonferenzen ermöglichen heute eine raumungebundene Projektarbeit. Doch jedes Unternehmen muss seine eigene Struktur selbst finden. Sie ergibt sich aus den Prozessen.
  • Geschäftsprozesse: Sie sind bei vielen Unternehmen häufig immer noch zu wenig kundenorientiert ausgerichtet. Das führt dazu, dass mehrere Personen für einen Prozess verantwortlich sind, die jeweils aus der Perspektive der eigenen Organisationsstruktur ("Kästchendenken") denken. Abläufe dauern zu lange, sind zu kostenintensiv und zu fehlerbehaftet. Effiziente Prozesse sind auch die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Digitalisierung.
  • Komplexität: Überflüssige Kosten entstehen auch durch Komplexität auf der Produkt- und Kundenseite. Wenn Sie in zu vielen Produkten und Kundensegmenten gleichzeitig tätig sind, steigen Komplexität und Folgekosten in der Produktion, Verwaltung und im Vertrieb. Konzentrieren Sie sich daher auf Ihre Kernleistungen und geben Sie Randaktivitäten auf. Die Fokussierung auf wenige Produkte ist auch Ursache des Erfolgs von Apple und Red Bull.

Ablauf

Viele Restrukturierungen werden durch erfahrene Sanierungsberater begleitet. Die Prozesse folgen dann meist einem festen Ablauf aus Bestandsaufnahme, finanzieller und operativer Restrukturierung sowie strategischer Neuausrichtung. Alle Maßnahmen werden dann in einem Sanierungsplan zusammengefasst.

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06.12.2021

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