Kostenexplosion und Mangelwirtschaft

Lieferketten unter Feuer

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Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass die sozialistische Mangelwirtschaft mal Einzug in unser globales Welthandelssystem hält. Doch aktuell ist es tatsächlich so weit. Auch deutsche Unternehmen bekommen Material, Vorprodukte und Handelsgüter aus China und anderen Regionen nicht, verspätet und nur zu horrenden Preisen. Die Einfuhrpreise sind im Oktober gegenüber dem Vormonat um satte 17,7 Prozent gestiegen. Was ist da los? Und wie geht es weiter?

Ursachen

  • Lieferreduktion: China scheint in den letzten Monaten mehr als üblich Holz, Kohle, Magnesium, Kupfer, Zink und Industriemetalle für den eigenen Markt zu benötigen. Von Russland heißt es, dass Gaslieferungen bewusst gedrosselt werden. In Taiwan stockt die Chip-Produktion durch Corona-Quarantäne. In anderen Branchen fallen plötzlich große Kapazitäten weg, weil große Fabriken gewartet werden müssen. Es scheint alles Schlechte gleichzeitig einzutreffen.
  • Hafen-Stau: Rund 10 Prozent des globalen Schiffsverkehrs sind aktuell offenbar blockiert. Viele Schiffe mit Hunderttausenden Containern an Bord liegen vor den wichtigsten Welthäfen in China, Kalifornien und Europa, weil die Häfen zu wenig Personal für die Entladung und keinen Platz mehr für die Container haben.
  • LKW-Mangel: Doch nicht nur vor den Häfen gibt es Stau. Auch im Hafen werden die Container nicht abgeholt, weil zu wenig LKWs da sind. In Kalifornien können z. B. nur geimpfte Fahrer und LKWs, die die neue Dieselabgasnorm erfüllen, in den Hafen. Beide Regeln sorgen dort für einen extremen LKW-Mangel.

Folgen

  • Margendruck: Die gerissenen Lieferketten lassen die Preise für Transport, Material und Vorprodukte und die Fälle von Lieferverzug steigen. Zusätzlich sorgen die explodierenden Energiepreise für einen Druck auf die Margen. Wer die Kostensteigerungen nicht an seine Kunden weitergeben kann, rutscht schnell in die Verlustzone. Manche Unternehmen stoppen daher lieber ihre Produktion.
  • Windfall Profits: Wer die gestiegenen Kosten wie die deutsche Automobilindustrie an seine Kunden weitergeben kann, nutzt die Gunst der Stunde. Die Preise für deutsche Autos steigen, zunächst nur als Wegfall der Rabatte ersichtlich. Gleichzeitig mit den vor der Corona-Krise aufgestauten Autohalden werden auch Mitarbeiter abgebaut, wie etwa bei VW.

Lösungen

  • Die Einkaufsmanager der Unternehmen haben aktuell so viel zu tun wie selten. Die Lieferlöcher müssen schnell gestopft werden. Wo noch möglich, werden hektisch Läger aufgebaut und Ersatzprodukte bei neuen Lieferanten gesucht.
  • Auch müssen die Lieferverträge rechtlich analysiert und angepasst werden. Können die Preise weitergegeben und Konventionalstrafen für die Unmöglichkeit der Leistung vermieden und Verträge zukünftig mit Preisindexklauseln versehen werden? Diese Fragen gilt es zu klären.
  • Langfristig geht es um die Neugestaltung des Beschaffungsprozesses wie Standortverlagerungen und den Umbau des Just-in-Time-Konzeptes, wenn man die aktuelle Situation nicht nur als vorübergehend einschätzt.

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