Liquiditätspotenziale im Unternehmen heben

Working Capital Management

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Wenn man derzeit Bankvertreter/innen fragt, so hört man, dass viele Unternehmen über ausreichend Liquidität verfügen. Die Geschäftskonten sind gut gefüllt. Das gilt jedoch nur für Branchen, die gut durch die Corona-Krise gekommen sind. Rund 30 Prozent der deutschen Wirtschaft haben in den letzten zwei Jahren stark gelitten. Durch die Inflation und Lieferengpässe werden es immer mehr. Ihr Problem ist die Sicherstellung der Liquidität. Ein Ansatz ist das Umlaufvermögen.

Liquiditätspotenziale

Heben Sie Ihr Kapital, das im Umlaufvermögen gebunden ist. Experten gehen von einem durchschnittlichen Optimierungspotenzial von rund 5 Prozent des Umsatzes aus. Bei 5 Millionen Umsatz sind das 250.000 Euro, die bei einem Zinssatz von z. B. 5 Prozent zu 12.500 Euro ersparten Finanzierungskosten führen. Zum Working Capital gehört das im Lagerbestand und den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gebundene Kapital. Vom Net Working Capital spricht man, wenn davon die kurzfristigen Verbindlichkeiten (vor allem gegenüber Lieferanten) abgezogen werden. Ziel von Working Capital Management ist es, im operativen Geschäft gebundene liquide Mittel freizusetzen.

Lagerbestand

  • Prozessoptimierung: Überflüssige Lagerbestände sind Puffer, um ineffiziente Produktionsprozesse nicht ins Stocken geraten zu lassen. Straffen Sie daher Ihre Abläufe in Produktion und Logistik durch kontinuierliche Verbesserungsprogramme (KVP, Kaizen) und hin und wieder durch größere Restrukturierungen, wenn Technologiesprünge es erfordern. Aber Vorsicht: Die aktuellen weltweiten Lieferengpässe zeigen, wie wichtig auch Lagerhaltung ist.
  • Fremdvergabe: Durch Delegation der Lagerhaltung an Lieferanten und Logistikdienstleister, z. B. im Rahmen von Just-in-Time-Konzepten, befreien Sie sich zumindest von einem Teil kapitalbindender Läger. Erforderlich ist dafür aber eine starke IT-Vernetzung. Auch steigen die Abhängigkeiten bei dieser Strategie.
  • Qualitätsreduktion: Übertriebene Qualitätssicherung, die von Kunden nicht bestellt ist und bezahlt wird, bindet ebenfalls Kapital. Achten Sie daher darauf, dass Sie eine Balance wahren und Overengineering vermeiden.

Forderungen

  • Zahlungsziele: Die Reduktion der Zahlungsziele gegenüber Kunden ist eine Möglichkeit, wenn Ihre Marktposition stark genug ist und Ihre Vertriebsmitarbeiter sich nicht scheuen, ein härteres Vorgehen an Kunden zu kommunizieren.
  • Factoring: Der Verkauf von Forderungen an spezialisierte Factoring-Gesellschaften spült sofort Geld in die Kasse. Hier sind die Vorteile allerdings den zusätzlich entstehenden Kosten gegenüberzustellen.

Working Capital Management ist nur eine Möglichkeit, durch Ineffizienzen unnötig gebundenes Kapital freizusetzen. Die Liquidität im Unternehmen kann auch aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögensteile (z. B. Immobilien, Maschinen, Beteiligungen, Wertpapiere) erhöht werden.

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