Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

Kriminalinsolvenzen

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Rutschen große Unternehmen in die Insolvenz, wird gleich medienwirksam darüber berichtet. Manche Insolvenzen wie die von Wirecard haben sogar das Zeug für einen Film. Es geht schließlich um viel Geld, Macht und einen tiefen Fall. Häufig spielen internationale Steueroasen dabei ebenso eine Rolle wie dubiose Netzwerke. Das kann auch für Geschäftspartner unangenehme Folgen haben.

Strengere Vorschriften seit 2017

Seit 2017 gibt es das Gesetz zur Reform der Strafrechtlichen Vermögensabschöpfung. Damit aus Betrug kein Geschäftsmodell wird, kann nun auch die Staatsanwaltschaft gegen einen Beschuldigten die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen.

Insgesamt hat die Wirtschaftskriminalität in den letzten Jahren zugenommen. Im Jahr 2021 wurden 51.260 Fälle von Wirtschaftskriminalität polizeilich registriert, was einer Zunahme von 4,2 Prozent entspricht.

Betrug endet oftmals in der Insolvenz

Geschäftsmodelle, die auf Betrug ausgelegt sind, fliegen in der Regel nach einer gewissen Zeit auf. Typische Beispiele sind Anlagebetrug mit Schneeballsystemen oder Umsatzsteuerkarusselle, denen Scheinrechnungen und Bilanzmanipulationen zugrunde liegen.

Mit dubiosen Geschäftsmodellen werden Verbraucher, Geschäftspartner und auch der Staat um Millionenbeträge betrogen. Mit einem Schaden von rund 3 Milliarden Euro gehört Wirecard zu den ganz großen Kriminalinsolvenzen in den letzten Jahren. In die Reihe der spektakulären Kriminalinsolvenzen reiht sich auch der Jungunternehmer Hendrik Holt ein, der mit erfundenen Windparks Energiekonzerne um mehrere Millionen Euro betrogen hat und im Mai 2022 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. In der Corona-Pandemie gab es viel Abrechnungsbetrug mit Testzentren und mit den Wirtschaftshilfen. Fällt der Betrug auf, ist die Insolvenz nicht mehr weit und der Schaden groß.

Kettenreaktion droht

Die Insolvenz eines Unternehmens betrifft auch häufig deren Kunden und Lieferanten. Selbst wenn sie an den Taten nicht beteiligt waren, kann die Insolvenz unangenehme Folgen für sie haben. Ermittlungen können auf Geschäftspartner ausgedehnt werden. Und wer viel sucht, findet auch leicht etwas. Werden Rechtsgeschäfte rückabgewickelt und Zahlungen zurückgefordert, dann ist oftmals die eigene Existenz gefährdet. In jedem Fall ist die Geschäftsbeziehung zu Ende und es müssen neue Kunden oder Lieferanten gefunden werden, die die Lücke schließen.  

Haftungsrisiken kennen

Viele Verantwortliche in Unternehmen sind sich gar nicht darüber im Klaren, welche Haftungsrisiken sie tragen. Die steigen insbesondere in Krisenzeiten. Insolvenzverschleppung ist ein großes Thema. Geschäftsführer und auch leitende Mitarbeiter müssen wissen, dass sie für Schäden, die sie pflichtwidrig verursachen, unbeschränkt haftbar gemacht werden können. Darüber hinaus drohen in manchen Fällen auch strafrechtliche Konsequenzen (Geld- oder Freiheitsstrafe) oder Bußgelder.

Wer seine Haftungsrisiken genau kennt, kann sie auch vermeiden. Das sollten Sie unbedingt tun.

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