03.02.2019

Familienunternehmen langfristig sichern

Wie Gesellschaftsvertrag und Familienverfassung helfen

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Ein Familienunternehmen soll nicht nur profitabel geführt werden – es soll auch möglichst für die folgenden Generationen erhalten bleiben. Gerade der generationenübergreifende Fortbestand ist eine Herausforderung. Ein vorausschauender Gesellschaftsvertrag und eine Familienverfassung können helfen, Risiken zu minimieren.

90 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Die Eigentümer gehören einer oder mehreren Familien an und bestimmen die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich mit. Familie, Eigentum und Unternehmen – diese drei Sphären verändern sich über die Jahre und müssen immer wieder „unter einen Hut“ gebracht werden – eine mitunter schwierige und konfliktträchtige Aufgabe. Dabei kann die Familienverfassung helfen.

Familienverfassung: Werte und Grundsätze

Welche Anliegen und Ziele sind wichtiger als andere? Wovon soll man sich bei konkreten Entscheidungen leiten lassen? Was soll im Gesellschaftsvertrag wie geregelt werden? Ein Kompass ist die Familienverfassung, auch „Familiencharta“ oder „Familienleitbild“ genannt. Sie legt die Werte und Grundsätze, an die sich die Familie gebunden fühlt, nieder und steckt so den Rahmen für unternehmerische Entscheidungen ab. Hier einige Beispiele für Punkte, zu denen die Familienverfassung Aussagen treffen kann:

  • Werte wie etwa „Respekt vor den Leistungen der vorangegangenen Generationen“, „Vorrang des Unternehmenserhalts für die Familie“ oder „Familieninteresse vor Einzelinteresse“
  • Qualitative und eventuell auch quantitative Unternehmensziele, Regeln für Zukauf und Verkauf
  • Rechte und Pflichten der Familienmitglieder, Rolle der Angeheirateten
  • Auswahlverfahren für Familienmitglieder als Organmitglieder
  • Informationsrechte der Familie
  • Verfahren zur Streitbeilegung

Die Familienverfassung ist zwar nicht rechtlich bindend. Sie kann aber von allen Familienmitgliedern beschlossen bzw. unterschrieben werden und bekommt dadurch eine moralische Bindungskraft, auf die man immer wieder zurückgreifen kann.

Gesellschaftsvertrag: rechtsverbindliche Regeln

Der Gesellschaftsvertrag regelt, in welcher Weise die Gesellschafter zur Erreichung des gemeinsamen Unternehmenszwecks beitragen. Wenn es eine Familienverfassung gibt, muss der Gesellschaftsvertrag deren Werte und Grundsätze in konkrete und rechtlich bindende Regelungen umsetzen. Typisch für Familienunternehmen ist, dass die Familienmitglieder ihre Entscheidungskompetenz entweder aus einer Führungs- oder Aufsichtsfunktion oder aus beiden Funktionen heraus wahrnehmen. Hierauf müssen die Regeln des Gesellschaftsvertrages besonders zugeschnitten sein.

  • Der Gesellschaftsvertrag sollte die Stimmrechte für eine wirksame Beschlussfassung eindeutig benennen und zuweisen. Üblicherweise richten sie sich nach dem Umfang der Beteiligung. Einstimmigkeit oder Stimmenmehrheit mit oder ohne Stimmübertragung sind möglich, ebenso eine Differenzierung nach Beschlussgegenstand.
  • Sollen die Gesellschafter auch Geschäftsführer sein? Auch ein freiwilliges Aufsichtsorgan bzw. ein Beirat kann vorgesehen werden, dessen Mitglieder aus der Familie kommen können – oder gerade nicht.
  • Es ist zweckmäßig, die Modalitäten und Folgen für den freiwilligen oder erzwungenen Austritt eines Gesellschafters zu regeln. Dazu gehören insbesondere auch die Frage der Abfindung und die Übernahme der Gesellschaftsanteile.
  • Für den Streitfall kann eine Schlichtung oder ein Schiedsgerichtsverfahren vorgesehen werden.

Prüfen Sie, welche Werte und Grundsätze für den Gesellschaftsvertrag wichtig sind, und überlegen Sie, ob und wie sie eine Familienverfassung als Rahmen in Ihrer Familie verankern könnten.

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