02.03.2018

Künstlersozialabgabe

Kassiert wird auch von GmbH-Geschäftsführern

© alexmat46 - Fotolia

Seitdem die Rentenversicherung ihre turnusmäßigen Prüfungen auf politischen Druck hin um die Künstlersozialabgabe erweitert hat, ist das Thema Künstlersozialkasse bei vielen Unternehmen brandaktuell. Allerdings ist die Verunsicherung groß, wann die Künstlersozialabgabe zu zahlen ist, da sie nicht nur für selbstständig tätige Künstler wie Designer und Publizisten, sondern in bestimmten Fällen auch für den GmbH-Geschäftsführer zu leisten ist.  

Der kreative Gesellschafter-Geschäftsführer

Dieser Fall ist eher unbekannt: Besitzt ein mitarbeitender Gesellschafter mehr als 50 Prozent der Gesellschaftsanteile (gilt im Rahmen der Künstlersozialkasse nur für GmbH, GmbH & Co. KG, OHG, UG), sieht ihn die Künstlersozialkasse als Selbstständigen an. Sofern der geschäftsführende Gesellschafter für sein Unternehmen (z. B. Verlag, Galerie, PR- oder Marketingagentur) auch nur teilweise künstlerisch oder publizistisch tätig ist, prüft die Künstlersozialkasse, ob er als selbstständiger Künstler einzustufen ist.
Da der Gesellschafter-Geschäftsführer häufig verschiedene Tätigkeiten für sein Unternehmen erbringt, wird geprüft, ob der künstlerische Anteil überwiegt oder nicht. Die Künstlersozialkasse rechnet alle Tätigkeiten hinzu, die im Rahmen der üblichen Erbringung der künstlerischen Leistungen anfallen. Dazu gehören z. B. Akquisition, Kundenbesuche, Strategieentwicklung, Recherchearbeiten, Produktion, Nachbereitung, etc. Die Arbeit des Gesellschafters wird nur einheitlich bewertet. Entweder zu 100 Prozent künstlerisch oder gar nicht künstlerisch. Eine Aufteilung ist nicht möglich. Im Falle einer künstlerischen Tätigkeit unterliegt das gesamte Geschäftsführergehalt der Künstlersozialabgabe, soweit die künstlerischen Tätigkeiten nicht gesondert abgerechnet und vergütet wurden. Im Rahmen der Sozialversicherungsprüfung, die in der Regel die letzten fünf Jahre umfasst, können auf die betroffenen Unternehmen so auf einen Schlag mehrere zehntausend Euro Nachzahlungen zukommen.

Der echte Künstler

Den Fall kennen die meisten Unternehmen: Beauftragen Sie zum Beispiel einen Webdesigner, Werbetexter, Fotografen, Musiker oder einen anderen „Kreativen“, müssen Sie auf das Entgelt Künstlersozialabgabe bezahlen. Der Umlagesatz für 2018 beträgt 4,2 %.

Abgabepflichtig sind neben den typischen Verwertern wie Verlagen, Galerien, PR- und Marketingagenturen auch Unternehmen, die „nicht nur gelegentlich“ Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für sich in Auftrag geben (Eigenwerber). Darüber hinaus alle Unternehmen, die „nicht nur gelegentlich“ ihre Produkte, Verpackungen und Dienstleistungen gestalten lassen, um damit Einnahmen zu erzielen (Generalklausel). Was „nicht nur gelegentlich“ bedeutet, darüber schweigt sich das Gesetz aus - abgesehen von der Obergrenze von drei Veranstaltungen pro Jahr nach § 24 Abs. 2. Gehen Sie davon aus, dass alle Aufträge, die nicht einmalig, selten oder unbedeutend sind (etwa Visitenkarte oder Firmenschild) abgabepflichtig sind.

Abgabepflicht besteht nur, wenn der Künstler oder Publizist als natürliche Person bezahlt wird, also als Selbstständiger, Einzelunternehmer oder über eine Mehrpersonengesellschaft (GbR, OHG). Ist der Künstler oder Publizist in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft (GmbH, UG) oder einer KG oder GmbH & Co. KG tätig, brauchen Sie die Künstlersozialabgabe nicht zu zahlen. Die Abgabepflicht besteht auch, wenn der Künstler oder Publizist nur nebenberuflich tätig ist und auch dann, wenn dieser selbst versicherungsfrei ist. Auf eine einschlägige Ausbildung der/des Kreativen oder auf die Qualität seiner Leistung kommt es nicht an.

Meldefrist bis zum 31.3.

Besteht Abgabepflicht, so müssen die abgabenpflichtigen Entgelte im Kalenderjahr aufgezeichnet und bis 31.3. des Folgejahres an die KSK gemeldet werden. Aus dem errechneten Monatsdurchschnitt wird eine monatliche Vorauszahlung für das laufende Jahr berechnet. Eine Nichtbeachtung kann zu Nachzahlungen und hohen Bußgeldern führen.

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